Aufbau und Funktionsweise einer Artilleriebatterie

Bei der Artillerie wurde (und wird bis heute) eine Einheit mit Batterie (engl. Battery) bezeichnet.

Eine typische Artilleriebatterie, wie sie von Cpt. Garden befehligt wurde, bestand aus der linken, der mittleren und der rechten jeweils von einem Lieutenant geführten Sektion (auf Seiten der Konförderation waren auch Batterien mit vier Geschützen üblich).

Diese wiederum teilte sich in zwei als Plattoons bezeichnete Geschützzüge, worunter man Geschütz (gun) und Protze (Limber) (zusammengefasst als piece) und Munitionswagen (caisson) verstand.

Insgesamt verfügte eine Batterie also über sechs Geschütze, das jeweils von einem Sergeanten komandiert wurde, dem wiederum je zwei Corporals zur Seite standen.

Captain

battery

Lieutenant
(right section)

Lieutenant
(middle section)

Lieutenant
(left section)

section

section

section

Sergeant
Chief of the piece

Sergeant
Chief of the piece

Sergeant
Chief of the piece

Sergeant
Chief of the piece

Sergeant
Chief of the piece

Sergeant
Chief of the piece

platoon

platoon

platoon

platoon

platoon

platoon

piece

 

piece

 

piece

 

piece

 

piece

 

piece

 

 

Corpo ral

Chief of the limber

Corpo ral

Chief of the caisson

 

Corpo ral

Chief of the limber

Corpo ral

Chief of the caisson

 

Corpo ral

Chief of the limber

Corpo ral

Chief of the caisson

 

Corpo ral

Chief of the limber

Corpo ral

Chief of the caisson

 

Corpo ral

Chief of the limber

Corpo ral

Chief of the caisson

 

Corpo ral

Chief of the limber

Corpo ral

Chief of the caisson

gun

limber

caisson

gun

limber

caisson

gun

limber

caisson

gun

limber

caisson

gun

limber

caisson

gun

limber

caisson

Zu Beginn des Krieges gehörte zu jedem Platoon eine Lafette mit drei Munitionskisten.

Zu jeder Battery gehörte ein Versorgungszug mit einem Packwagen für Zelte und anderes Zubehör und sechs weitere Lafetten mit je drei Munitionskisten.

Um das gesamte Equipment zu bewegen wurden im Allgemeinen je Zuggefährt sechs Pferde benötigt.

Für die Bedienung jedes Geschützes war eine Mannschaftsstärke von insgesamt acht Mann vorgesehen – zuzüglich Kutscher. (Diese Besetzung konnte jedoch im Notfall stark gesenkt werden. Es sind hier Fälle bekannt, in denen die Geschützmannschaft nur noch aus zwei Männern bestand!). Daneben waren Handwerker für die Gewährleistung der Einsatzbereitschaft unerlässlich.
Insgesamt bewegte sich die Stärke einer leichten Artilleriebatterie zwischen 100 und 155 Mann.

Nachfolgend sollen Aufgaben, Befehlskette und Funktionen innerhalb einer Artilleriesektion näher vorgestellt werden.

Hinweis:
Die besten uns bekannten Darstellungen (nicht nur zu diesem Thema, sondern generell zum Thema amerikanischer Bürgerkrieg) werden auf den Seiten www.bigcountry.de geboten, die wir unseren Besuchern ans Herz legen. Teile davon sind in die nachfolgende Übersicht eingeflossen.

Der Batteriefeldwebel (1st oder Orderly Sergeant)
fungierte Verbindungsglied zwischen Batteriechef (BC) und Unteroffizieren/Mannschaften
und unterstützt seinen Hauptmann:

  • in allen Verwaltungs- und Personalangelegenheiten
  • bei Ausbildung und Einsatz des Personals
  • bei der Dienstplangestaltung.

Im Gefecht stand er zur Verfügung des BC und übernahm bei Ausfall eines Offizieres häufig den Posten des jüngsten Leutnants (Chief of the line of the caissons).

Der Versorgungsfeldwebel (Quartermaster Sergeant),
befehligt vom BC oder Batteriefeldwebel, war verantwortlich für

  • Bekleidung und Ausrüstung (BA)
  • Verpflegung
  • manchmal (soweit vorhanden) für die Munition der Handfeuerwaffen der Mannschaften.

Im Gefecht stand er zur Verfügung des BC, kümmerte sich jedoch meist um Gepäck- und Versorgungswagen.

Teilweise hatte er einen Verpflegungsfeldwebel (Commissary Sergeant) zur Seite, der sich dann um die Verpflegung kümmerte.

Stabsunteroffiziere/Feldwebel (Sergeants)

Geschützführer (Chief of the piece),
waren verantwortlich für Material und Personal jeweils einer Halbsektion (1 Geschütz), bestehend aus

  • dem Richtkanonier (Gunner) und
  • den Kanonieren sowie
  • dem Protzenführer (Chief of the limber) und
  • seinen Fahrern.

Somit war ein Sergeant für ein Geschütz, der Geschütz- und Fahrermannschaft sowie neun bis 13 Pferde und deren Zaumzeug und Sättel verantwortlich. Dazu gehörte auch die entsprechende Ausbildung des Personals.

Während des Gefechts sorgte er für die korrekte Ausführung der Befehle des Sektionschefs und kümmerte sich darum, dass der Geschützführer das richtige Ziel anvisierte und die befohlene Munition einsetzte. Er sorgte dafür, dass der Protzenführer rechtzeitig Munition nachführte und kümmerte sich um Ersatz für verwundete oder tödlich verletzte Pferde.

Während des Marsches ritt er neben dem Gespannführer und gab die Richtung an.

Die Unteroffiziere (Corporals) wurden als
Richtkanoniere (Gunners) oder Protzenführer (Chief of the limber) eingesetzt.

Der Richtkanonier (Gunner) war für sein Geschütz und seine Mannschaft verantwortlich. Im Kampf erhielt er seine Befehle von seinem Geschützführer.
Er richtete das Geschütz aus und gab die entsprechenden Feuerbefehle.

Der Protzenführer (Chief of the limber) war verantwortlich für die Protzen und Munitionswagen. Er war zuständig für die sichere Verladung der Munition und deren Zustand und kümmerte sich darum, dass die Fahrer ihre Pferde und deren Geschirr in Ordnung hielten.

Während des Gefechts sorgte er nach Anweisung des Munitionsführers (Chief of the line of the caissons) für eine sichere Stellung seiner Munitionswagen und bereitete den Transport der Munition zur Geschützstellung vor.

Die Mannschaften bestanden aus

Kanonieren,
Fahrern,
Fuhrleuten,
Schmieden,
Musikern
,
einem Fahnenträger und
mehreren Ersatzleuten.

Die Kanoniere (Cannoneers) stellten die Bedienmannschaft für das Geschütz. Sie waren eine eingespielte Gruppe und dazu ausgebildet, jede Position am Geschütz zu übernehmen. Zusätzlich waren sie auch als Fahrer ausgebildet. Sie erhielten ihre Befehle vom Richtkanonier (Gunner).

Auf dem Marsch gingen sie neben dem Geschütz und halfen bei Schlamm, Schnee oder steileren Hängen mit Muskelkraft die Geschütze zu bewegen.

Schnelligkeit und Selbstvertrauen kennzeichneten die Artilleristen des Bürgerkrieges. Dies beruhte sicherlich teilweise auch auf dem hohen Anteil an gebildeten Männern (Hochschulabsolventen, Geschäftsleute, Schreiber usw.) in dieser Waffengattung.

Der oft als lästig empfundene, ständige Drill hatte durchaus seinen Sinn, da im Gefechtslärm mündliche Befehle oft untergingen. Die Artilleristen lernten ihre Aufgaben quasi „im Schlaf“ zu beherrschen - auch ohne Befehle.

Die Kanoniere erhielten Nummern und wurden mit der Zeit auch von den Kameraden nur noch mit Nummer bezeichnet.

kurz-

Bezeichnung

Dienstrang

Aufgaben

GF

Geschützführer
(Chief of the Piece)

Sergeant

Geschützkommandant,
verantwortlich für

  • Sicherheit am Geschütz und taktischen Einsatz
  • Ziel-, Entfernungs- und Munitionsangaben an G

G

Richtkanonier
(Gunner)

Corporal

Richtschütze,
verantwortlich für

  • Ladeablaufüberwachung
  • Sicherheit an Geschütz und Protze
  • Munitionsangaben an K7
  • Seiten- und Höhenausrichtung des Geschützes

K7

Protzenführer
(Chief of the limber)

Corporal

  • Auswahl der Munition
  • ggfls. Einstellen des Zünders
  • Munitionsübergabe an K5

K6

Kanonier
(Cannoneer)

Private

K5

Kanonier
(Cannoneer)

Private

  • Pulverträger („Powdermunky“) zwischen Protze und Geschütz
  • Munitionsübergabe an K2

K4

Kanonier
(Cannoneer)

Private

  • Zünder (Primer) setzen
  • Reißleine anbringen
  • zünden

K3

Kanonier
(Cannoneer)

Private

  • Zündloch abdecken
  • Pulverbeutel durchstoßen

K2

Kanonier
(Cannoneer)

Private

  • Rester mit Wurmzieher (Scratcher) aus dem Rohr entfernen
  • setzen der Ladung (von K5)

K1

Kanonier
(Cannoneer)

Private

  • Nasswischen
  • verdichten der Ladung

Die Bedienung eines Geschützes war (außer bei speziellen Modellen) überall gleich:

Der Geschützführer (GF) nennt dem Richtkanonier (G) Ziel, Entfernung und die befohlene Munition.

Dieser gibt die Information an K7 weiter, der die entsprechende Munition aus dem Munitionskasten der Protze nimmt und ggfls. mit Hilfe seiner Feuertabelle den Zünder (Boden- oder Zeitzünder) einstellt. Er wird dabei von K6 unterstützt.

Währenddessen führt der G die letzten Seiten- und Höhenkorrekturen des Geschützes nach Gefühl und eigenen Erfahrungswerten durch.

K5 bringt die Kartusche (patronierte Ladeeinheit mit Geschoß und Pulver) von der Protze und reicht sie dem K2, der sie in das Rohr einführt.
K1 stößt sie mit dem Ladestock bis zum Anschlag ins Rohr.

Währenddessen drückt K3 seinen durch einen ledernen Fingerling geschützten Daumen auf das Zündloch, damit keine Zugluft entsteht, die evtl noch heiße Pulverreste entzünden könnte.
Nach dem Rammen sticht K3 mit einer Ahle durchs Zündloch ein Loch in den Pulverbeutel.

K4 nimmt einen Abreißzünder aus der Ledertasche an seinem Gürtel und steckt ihn durchs Zündloch in die Pulverladung. Anschließend hakt er die Abreißleine in die Öse des Zünders und zieht die Leine an.

Auf das Kommando „Feuer“ genügt ein scharfer Ruck, um den Abreißzünder zu aktivieren und damit die Pulverladung zu zünden.

Gleich nach dem Feuern wird das Geschütz wieder in Stellung gebracht.

K1 tritt nach wieder vor, taucht seinen Rohrwischer in einen Wassereimer und wischt damit das Rohr aus. Dies war ein sehr wichtiger Vorgang zum abkühlen des Rohres und Auslöschen glimmender Kartuschenreste, was verhinderte, dass diese die nächste Kartusche schon beim Setzen zündete.

Nicht selten kam es vor, dass dieser Vorgang in der Eile nicht genügend beherzigt und K1 und K2 beim Laden durch die vorzeitig explodierende Kartusche zerrissen wurden.

Wurde nass gewischt, so entstand nach wenigen Schüssen eine dicke, klebrige Masse, die den weiteren Ladevorgang behindern konnte. Es wurden deshalb mehrere Eimer und genügend Wasser mitgeführt, um das Rohr zur Not auszuspülen. Zum Entfernen einer festsitzenden Ladung oder größerer Kartuschenteile diente der „Wurm“.

K5 bringt währenddessen eine neue Kartusche von der Protze und reicht sie dem K2, der Ladevorgang wiederholt sich.

Der Geschützführer (GF) überwachte den Ablauf und gab die nötigen Anweisungen zu Zielerfassung und Zünderwahl und beobachtet die Wirkung des Schusses.

Während die Kanoniere ihren Tätigkeiten nachgingen, kümmerten sich die Fahrer (Drivers, eigentlich Reiter) um die Gespanne. Normalerweise wurde jedes Gefechtsfahrzeug (bestehend aus einer Protze mit anhängenden Geschütz oder Munitionswagen, von drei Paar Pferden gezogen.

Eine Mannschaft war zu Fuhrleuten (Teamsters oder Wagoneers) ausgebildet und als Fahrer für die Trossfahrzeuge eingesetzt, die von Pferden oder Mulis gezogen wurden.
Mit dem Versorgungsfeldwebel beschafften sie Futter und Nahrungsmittel für die Batterie. Im Gefecht bewachten sie die Trossfahrzeuge und die Reservepferde. Ein höherer Sold zeigt, dass sie sehr wichtig waren.

Auch Schmiede (Artificers) und Hufschmiede (Farriers) erhielten einen höheren Sold als ihre Kameraden. Diese Spezialisten waren für die Instandsetzung der Fahrzeuge und für die Beschlagung der Pferde verantwortlich. Sie unterstanden dem Batteriefeldwebel.

Obwohl den Batterien drei Musiker (Musicians) zustanden, befanden sich häufig nur ein oder zwei Hornisten in der Einheit. Der Stabstrompeter gehörte zum Stab der Batterie und war beritten. Nicht nur im Gefecht, sondern auch im täglichen Routinedienst spielten die Hornisten eine große Rolle, denn sie riefen mit ihren Signalen die Soldaten zu den vorgesehenen Diensten. Neben ihrer Aufgabe als Hornisten waren sie zusätzlich häufig als Ordonnanzen und Schreiber eingesetzt.

Der berittene Fahnenträger (Color Bearer) oder besser Standartenträger, gehörte ebenfalls zum Stab der Batterie. Fahnen und Standarten waren wichtiges Mittel zur Führung der Truppe. Im Gefecht stand der Fahnenträger etwa 35 Meter hinter der Geschützlinie bei den Munitionswagen; im Verlauf des Krieges wurde seine Position zu den Protzen vorgezogen und er befand sich nun etwa 20 Meter hinter den Geschützen. Er trug hohe Verantwortung und musste sehr zuverlässig sein, denn der Verlust der Fahne galt als große Schande für die Einheit. Im Normaldienst war er zusätzlich als Ordonnanz und Schreiber eingesetzt.

Fast alle Batterien hatten einen Überschuss an Mannschaften, die als Ersatzleute (Spare men) eingesetzt werden konnten. Diese Soldaten waren teilweise noch in der Ausbildung, mussten aber – wenn nötig – bei Personalverlusten sofort als Ersatz einspringen. Sie kümmerten sich auch um die Verwundeten und Kranken und standen dem Batteriefeldwebel und dem Versorgungsfeldwebel zur Verfügung.

 

Eine Zwölfpfünder-Batterie verfügte über 18 Fahrzeuge: Sechs Geschütze mit Protze (Limber) und sechs Munitionswagen (Caissons) in der Geschützstaffel sowie sechs Munitionswagen in der Reservemunitionsstaffel. Dazu kamen noch die Feldschmiede (Forge) sowie ein Werkzeugwagen (Battery Wagon) und weitere Wagen im Troß.